Der Meltemi

Meltemi

Sommerlicher Starkwind

Der Meltemi kann für traumhafte Segelbedingungen sorgen, aber auch schnell zu viel Druck machen. Was Sie bei Meltemi-Wetterlagen beachten sollten.

Steckbrief

auch bekannt als: Etesien

Vorkommen:

Ägäis

Jahreszeit: Frühsommer bis Herbst

Windstärken: 4 bis 7, in Böen 8 bis 9 Beaufort

Windrichtung: Im nördlichen und mittleren Teil der Ägäis aus Nord, im Osten (Dodekanes bis Rhodos) aus Nordwest, nahe des Peloponnes aus Nordost, an der türkischen Westküste aus West.

Anzeichen: Sternenklare Nacht, morgens kein Tau an Deck, das Barometer steigt, im Tagesverlauf Aufziehen von Cirrocumulus-Wolken auf tiefblauem Himmel.

Von Frühsommer bis Herbst sorgt der Meltemi in der Ägäis für sprichwörtlich frischen Wind. Landurlauber schätzen ihn, weil er an heißen Sommertagen kühle und trockene Luft bringt; Segler hingegen wissen, dass der Meltemi mit Vorsicht zu genießen ist. Lokale Effekte können den ohnehin schon frischen Wind auf 8 bis 9 Beaufort verstärken. Der Meltemi ist ein sogenannter synoptischer Wind, das heißt, er steht in Zusammenhang mit einem übergeordneten Wettersystem. In den Sommermonaten wird das Wetter in der Ägäis durch zwei stabile Druckgebiete bestimmt: das Azorenhoch und das Tiefdruckgebiet des Sommermonsuns über Südwestasien. Im Korridor zwischen diesen Druckgebieten fließt kalte Luft nach Süden und breitet sich über der Ägäis fächerförmig aus: der Meltemi entsteht.


Woran man den Meltemi erkennt

Der Meltemi beherrscht das sommerliche Wettergeschehen der Ägäis. Meist geht ihm eine klare Nacht voraus, manchmal sogar mit Wetterleuchten. Das Barometer steigt. Am Morgen eines Tages mit Meltemi-Lage bleibt das Deck oft trocken. Am tiefblauen, klaren Himmel können Cirrocumulus-Wolken aufziehen. Der Wind beginnt mit 4 bis 5 Beaufort aus nördlicher bis nordwestlicher Richtung zu wehen und erreicht seine größte Stärke am späten Nachmittag. Meltemi-Wetterlagen können einige Tage anhalten, mit Pech auch bis zu 14 Tage. Bei Meltemi baut sich eine teils unangenehme Welle auf.


Was bei Meltemi zu tun ist

Die durchschnittlichen 4 bis 5 Beaufort des Meltemi versprechen schönen Segelwind – wäre da nicht die Steigerung im Tagesverlauf auf bis zu 8 Beaufort. Dieser Wind ist also mit Vorsicht zu genießen. Den Wetterbericht zu studieren, sollte selbstverständlich sein. Wenn Sie sich unsicher sind, legen Sie lieber einen Hafentag ein, zumal sich der Wind im Tagesverlauf noch verstärkt. Sollten Sie auslaufen, dann lieber mit einem Reff zu viel als zu wenig. Wegen der Böen, die der Meltemi mit sich bringt, sollte die Großschot jederzeit klar zum Fieren sein.

Generell erfordert der Meltemi im Sommer eine sorgfältige Törnplanung, denn schließlich will kein Charterskipper tagelang in einem Hafen eingeweht sein und in Zeitnot geraten. Wenn die Zeit drängt und das Boot an die Charterbasis zurückgebracht werden muss, trifft man schnell eine falsche Entscheidung und läuft aus, obwohl der Wind Schiff und Crew überfordert.


Welche Häfen und Buchten bei Meltemi sicher sind

In Lee von Inseln Schutz zu suchen entpuppt sich bei Meltemi-Lagen als gefährliche Falle: Von den Hängen hämmern Fallböen hinab, die schon so manchem Ankerlieger zum Verhängnis geworden sind. Auch Hafentage sind alles andere als gemütlich, wenn das Boot bei jeder Bö an den Leinen zerrt, wie viele Mittelmeer-Segler bestätigen können.

Generell gefährdet für diese Fallböen sind die Südseiten hoher, steiler Inseln. Als besonders betroffen werden fjordähnliche Buchten mit Nord-Süd-Ausrichtung angesehen. Klassische Fallböen-lnseln sind Euböa, Kea, Andros, Pholegandros, Ios und Amorgos, Sifnos und Serifos, Kos.

Aufschluss über sichere, geschützte Buchten bei Meltemi-Windlage gibt ein aktueller Hafen- oder Revierführer. Empfehlenswert ist der nautische Reiseführer „Griechische Küsten“ von Rod Heikell.
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