Der Motor

Der Motor

Das Herz jeder Charteryacht

Die wichtigsten Kontrollchecks und Bedienungshinweise für den Motor
Fällt im Hafen oder in der Ankerbucht der Motor aus, wird es schnell hektisch. So lernen Sie den Motor Ihrer Charteryacht kennen und können sich bei kleineren Problemen selbst helfen.


1) Vor dem ersten Auslaufen: Routinechecks am Motor

Ölkontrolle
Wenn man Boot und Motor nicht gut kennt, ist es sinnvoll, täglich den Ölstand zu kontrollieren. Das funktioniert wie beim Auto mit einem Ölpeilstab. Er befindet sich meistens hinter einer Klappe in der Steuerbord-Achterkabine oder lässt sich erreichen, wenn man die Niedergangstreppe abklappt. Warten Sie nach dem Motorstopp einige Minuten, damit das Öl zurücklaufen kann. Wenn der Ölpeilstab bei der ersten Kontrolle ganz trocken bleibt, ist das kein Grund zur Panik: Bei einigen Motoren kann sich ein starker Unterdruck im Rohr für die Ölpeil-Stabführung aufbauen. Kontrollieren Sie hier lieber einmal mehr, bevor Sie Öl nachfüllen. Der Ölstand sollte sich zwischen den beiden Markierungskerben auf dem Peilstab befinden.

Keilriemen
Der Keilriemen treibt die Lichtmaschine und die Kühlwasserpumpe an. Er darf weder zu fest noch zu locker sitzen. Ob er korrekt sitzt, prüfen Sie, indem Sie ihn mit dem Daumen eindrücken: Der Riemen darf nicht mehr als eine Keilriemenbreite nachgeben.

Seewasserfilter
Der Seewasserfilter sitzt zwischen dem Seeventil und der Wasserpumpe. Vor Törnbeginn sollten Sie kontrollieren, ob er eventuell verstopft oder zugesetzt ist, denn Probleme mit der Motorkühlung entstehen vor allem im äußeren Kühlkreislauf, also der Kühlung mit Seewasser. Um den Filter zu kontrollieren, schrauben Sie den Filterdeckel auf und nehmen den Filter heraus.

Impeller
Der Impeller ist das Herz der Wasserpumpe, denn er sorgt für konstante Wasserzufuhr. Manchmal können ein oder mehrere Flügel dieses Mini-Propellers abreißen. Dann reicht die Pumpleistung nicht mehr aus, oder die Leitung kann verstopfen. Ist der Impeller defekt, müssen Sie ihn wechseln. Dazu schließen Sie als erstes das Seeventil des Motors. Um an den Impeller heranzukommen, muss der Deckel der Wasserpumpe aufgeschraubt werden. Leider ist dieser oft sehr unzugänglich montiert, was die Arbeit erschwert.


2) Fahren unter Motor

Motor an- und ausschalten
Bei sehr modernen Charterbooten startet der Motor auf Knopfdruck. In den meisten Fällen kommt aber noch der Zündschlüssel zum Einsatz. Vergewissern Sie sich, bevor Sie den Motor starten, dass der Schalthebel auf Leerlauf steht. Auch zum Stoppen des Motors benötigen Sie den Zündschlüssel. Erst wenn er in die Zündungsposition gedreht ist, können Sie den Motor per Knopf oder Hebel stoppen. Achtung: Nach dem Motorstopp muss die Zündung wieder ausgeschaltet werden. Sonst zieht sie permanent Spannung aus der Batterie.

Der Motor im Betrieb
Viele Diesel werden nur zum An- und Ablegen benutzt und erreichen nie ihre Betriebstemperatur. Das macht auf Dauer jeden Motor kaputt. Scheuen Sie sich also nicht, den Diesel Ihres Charterbootes eine längere Zeit am Stück in seinem optimalen Drehzahlbereich arbeiten zu lassen. Als Faustregel für die optimale Motordrehzahl geben die Hersteller ¾ der Höchstdrehzahl an. Diese finden Sie heraus, indem Sie den Motor kurz auf maximaler Geschwindigkeit laufen lassen. Die Betriebstemperatur des Motors liegt bei 90 bis 100 Grad.

Wenn der Motor läuft, lädt die Lichtmaschine Starter- und Verbraucherbatterie. Ob sie das auch wirklich tut, können Sie auf den meisten Charterbooten am Sicherungspanel kontrollieren. Hier zeigt der Batteriemonitor die Ladung der Batterien in Prozent an. Fehlt ein solcher Monitor, gibt der Voltmesser Aufschluss. Auch er befindet sich auf dem Schaltpanel. Steigt die Spannung über die Leerlaufspannung (12,5 Volt), dann lädt die Lichtmaschine die Batterien.

Ist Ihr Schiff mit einem Festpropeller ausgestattet, stellen Sie den Schalthebel nach dem Motorstopp einfach in die Neutralstellung. Verfügt das Charterboot über einen faltbaren Segelpropeller, müssen Sie darauf achten, dass der Propeller zusammenklappt und beim Segeln nicht permanent mit dreht. Dazu schalten Sie nach dem Motorstopp kurz in den Rückwärtsgang. Sind keine Vibrationen des Propellers mehr zu spüren, ist die Welle blockiert. Wichtig ist, dann wieder in die Neutralstellung zu schalten.


3) Häufige Motorprobleme und mögliche Lösungen

a) Der Motor startet nicht
Wenn der Motor dreht, aber nicht startet, kann das verschiedene Ursachen haben. Ihr erster Kontrollblick sollte der Füllstandsanzeige des Dieseltanks gelten. Wenn diese anzeigt, dass noch Diesel im Tank ist, verursacht in 90 Prozent der Fälle ein verstopfter Dieselfilter das Problem. Bei ruppiger See können sich Schwebstoffe von Tankboden lösen, die an den Filter gesaugt werden und ihn verstopfen. Um dies zu prüfen, schalten Sie zunächst die Spritzuführung ab. Dann schrauben Sie den Deckel auf und holen den Filter heraus. Ist ein Ersatzfilter vorhanden, sollten Sie einen Filterwechsel durchführen. Wenn nicht, säubern Sie den Filter vorsichtig und wischen den Filtertopf mit saugfähigem Papier aus. Wenn Sie den Filter wieder eingesetzt haben, schalten Sie die Dieselzufuhr wieder an. Sollte noch mehr verdreckter Diesel austreten, so lange laufen lassen, bis sauberer Sprit nachläuft.

Wenn der Motor gar nicht dreht, ist eventuell eine Sicherung durchgebrannt. Wenn der Motor nur müde dreht, hat eventuell die Starterbatterie nicht mehr genug Leistung.

b) Der Motoralarm ertönt Wenn bei Motorbetrieb ein Piepgeräusch zu vernehmen ist, kann das an fallendem Öldruck beziehungsweise an zu wenig Motoröl liegen. Eventuell läuft auch der Motor heiß, weil nicht genug Kühlwasser ankommt. Prüfen Sie, ob der Ansaugstutzen für das Seewasser verstopft ist (gerne werden Plastiktüten angesaugt). Auch ein verstopfter Seewasserfilter kann die Wasserzufuhr behindern. Er ist schnell ausgebaut und gereinigt.

Ertönt nach diesen Maßnahmen immer noch der Motoralarm, sollten Sie den Keilriemen checken: Eventuell sitzt er zu locker, sodass die Lichtmaschine nicht angetrieben und somit die Batterie nicht geladen wird.
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