Hafenmanöver

Hafenmanöver

Keine Angst vor Hafenmanövern

Nicht das Segeln, sondern das „Ein- und Ausparken“ macht Charterskippern am meisten Sorgen. Die wichtigsten Manöver Schritt für Schritt – und Notfall-Strategien, falls so gar nichts klappen will.


Mit dem Heck zur Pier anlegen (römisch-katholisch)
Das Boot mit zwei Heckleinen an der Pier und mit einer Bugleine an der Muring festzumachen, ist im Mittelmeer gang und gäbe – daher auch der Name „römisch-katholisch“. Wo keine Murings vorhanden sind, wird der Buganker ausgebracht. Bevor Sie mit dem römisch-katholischen Anlegemanöver beginnen, sollten Sie checken, woher und in welcher Stärke der Wind weht. Anleger werden stets gegen den Wind gefahren. Drehen Sie eine kleine Ehrenrunde durch den Hafen und schauen Sie, ob unter Wasser eventuell Hindernisse liegen, die das Ruderblatt beschädigen können. Natürlich sollten Sie vorher den Revierführer gründlich studiert haben.

Jetzt verteilen Sie die Aufgaben in der Crew: Eine Person steht an der luvwärtigen Heckleine, die andere als „Springer“ auf der Badeplattform. Um die Muringleine kümmern sich am besten zwei Crewmitglieder, eines mit einem Bootshaken und das andere mit einem starken Handschuh ausgestattet, da die Muring mit scharfkantigen Muscheln bewachsen sein kann. Nun bringen Sie Fender aus: Ans Heck binden Sie tief alle Kugelfender, die Sie haben. An der leewärtigen Seite des Bootes befestigen Sie vier Fender, ebenso an der luvwärtigen Seite. Ein Crewmitglied mit einem „mobilen Fender“ hält diesen bei Bedarf dazwischen.

Kurzer Check: Sind alle Crewmitglieder auf Position? Sind die Achterleinen belegt und die Fender ausgebracht? Liegt der Bootshaken bereit? Hat der Muring-Verantwortliche Handschuhe an?

Versuchen Sie, für das Manöver einen möglichst langen Anlauf zu nehmen. Am besten fahren Sie bereits rückwärts in die Boxengasse. Grund dafür ist, dass das Heck des Bootes beim Rückwärtsfahren durch den Radeffekt nach Steuerbord oder Backbord gezogen ist. Mit etwas mehr Fahrt im Schiff können Sie diesen Effekt ausgleichen. Dann fahren Sie rückwärts in die gewünschte Lücke. Kurz bevor das Heck die Pier erreicht, stoppen Sie auf und lassen den Springer von der Heckplattform auf die Pier steigen, wo er als allererstes die luvwärtige Heckleine festmacht. Die wichtigste Leine ist nun ausgebracht: Wenn Sie leicht voraus geben, wird das Schiff stabilisiert und treibt nicht zur Leeseite ab. Nun greift die Person mit dem Bootshaken sich die Muringleine in Luv und reicht sie der Person mit den robusten Handschuhen. Diese geht, während sie sich an der Muringleine entlanghangelt, nach vorn. Ein weiteres Crewmitglied hilft, die Muringleine maximal dicht zu ziehen. Abschließend auf der luvwärtigen Bugklampe belegen.

Wenn das Manöver nicht beim ersten Mal gelingt: Keine Hektik. Klarieren Sie in Ruhe auf, bevor Sie den nächsten Anlauf machen.


Rückwärts anlegen in der Box
In den meisten Häfen der Nord- und Ostsee, aber auch in den modernen Marinas der Karibik legen Sie Ihr Schiff in einer Box mit zwei Pollern für Achter- beziehungsweise Bugleinen an. Da die meisten Charterboote ein sehr breites Heck haben, das sich eher zum Einsteigen eignet, ist es sinnvoller, rückwärts anzulegen. Auch hier gilt: Bereiten Sie das Manöver in Ruhe vor und kreisen Sie lieber einmal mehr im Hafen. Wie beim römisch-katholischen Anlegemanöver sollten Sie sich auch eine Box suchen, in die Sie gegen Wind und Strom anlegen. Sie benötigen fünf Leinen: Je zwei am Bug und achtern, eine Leine legen Sie als Springleine für alle Fälle auf den Kajütaufbau des Schiffes. Knoten Sie einen großen Palstek auf die Enden der Vorleinen und belegen Sie das andere Ende nur locker. Sowohl auf der Luv- als auf der Leeseite des Bootes werden drei bis vier Fender ausgebracht. Diese Fender holen Sie über den Seezaun erst einmal auf das Laufdeck.

Nun nähern Sie sich der Box. Am besten fahren Sie bereits rückwärts in die Boxengasse hinein, so haben Sie mehr Schwung. Das Crewmitglied an der luv- und das Crewmitglied an der leewärtigen Vorleine kommen so weit wie möglich nach achtern, sodass sie so schnell wie möglich den Festmacher über den Poller stülpen können. Zuerst wird der Luv-Pfahl „eingefangen“, damit das Boot nicht mit dem Bug nach Lee treiben kann. Die Enden der Vorleinen werden langsam mitgefiert; auf keinen Fall ziehen, sonst kann das Boot querschlagen! Erst wenn der Skipper das Kommando „fest“ gibt, wird das Fieren gestoppt. Erst wenn die Poller passiert sind, werden die Fender wieder außenbords gehängt.

Mit etwas Glück steht am Steg ein freundlicher Mensch, der die Heckleine annimmt. Ist das nicht der Fall, steigt ein Crewmitglied mit der luvwärtigen Heckleine auf den Steg und belegt sie. Wenn auch die leewärtige Leine belegt ist, kann die Länge der Bugfestmacher feinjustiert werden.
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